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"Der Wert der Freundschaft wird nicht angefochten dadurch, dass sich mein Freund als falsch erweist und mich verrät."

30.09.2018

Dieses Zitat von Max Scheler weist uns darauf hin, wie wichtig es ist, sich mit dem eigenen Wertesystem zu beschäftigen: gerade in emotional schwierigen Situationen kann es uns stärken und trösten.

Scheler war der Begründer einer konsequenten Wert-Ethik, das heißt er hat gezeigt, dass unser gesamtes emotionales Erleben bereits vorgeprägt ist durch die moralischen Werte, die wir empfinden. Die Beschäftigung mit dem eigenen Wertesystem kann daher eine wichtige Quelle sein, wenn wir in schwierigen Lebenssituationen Orientierung und seelische Stabilität erfahren wollen, zum Beispiel im Falle einer Trennung, oder wenn wir von einem guten Freund oder dem Partner hintergangen werden. 

Indem wir uns dann bewusst mit unseren Vorstellungen von Freundschaft und Vertrauen auseinander setzen, können wir uns klar machen, dass der "Wert" der Freundschaft an sich nicht dadurch leiden kann, dass sich eine Freundschaft als "falsch" erwiesen hat. Gerade dieses Vertrauen in die Werte an sich bedeutet aber, dass wir auch weiterhin Vertrauen in uns selbst haben können: baut doch unser gesamtes Selbst-Bewusstsein auf unserem eigenen Wertesystem auf.       

Das innere Kind - oder Der kleine Philosoph in uns

25.07.2018

Jeder Mensch hat feste Weltanschauungen verinnerlicht, die als grundlegende Größe das gesamte eigene Handeln beeinflussen. Dabei kann die Wirkung auf die Wahrnehmung der Umwelt und das (Alltags-) Handeln positiv oder negativ sein.

Dabei kann das eigene Weltbild bewusst oder unbewusst sein: unser gesamtes Handeln kann von unseren Vorstellungen, die sich meist bereits in unserer Kindheit gebildet haben, bestimmt sein, ohne dass uns das doch beim Handeln bewusst ist.

Eine Möglichkeit des philosophischen Gesprächs ist es, auf eine Reise zu Ihrem inneren Kind zu gehen: so können wir gemeinsam verinnerlichte Reaktionsmuster aus ihrer Kindheit erkennen – und gegebenenfalls an einer Veränderung arbeiten.

So individuell Weltbilder auch sind: interessanterweise lassen sich in der Praxis die meisten verinnerlichten Vorstellungswelten einer philosophischen Denkströmung zuordnen. Nicht allzu überraschend, wenn man bedenkt, dass die großen philosophischen Schulen ja gerade aus dem Nachdenken über das Leben, und quasi als persönliche Weltbilder der Philosophen, entstanden sind.

Insofern kann es hilfreich sein, wenn wir gemeinsam Ihr idealtypisches Weltbild freilegen. Sozusagen: den kleinen Philosophen in Ihnen entdecken. Denn dadurch können besonders klar typische Vorstellungen und Handlungsweisen erkannt werden: eine wichtige Voraussetzung, wenn wir eigene, wenig hilfreiche Sicht- und Verhaltensweisen verändern wollen.

Logotherapeutisches Denken nach Viktor Frankl

25.07.2018

Der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl (1905 - 1997) hat die Frage nach dem Sinn in das Zentrum seines psychotherapeutischen Wirkens gestellt. Frankl hatte sich zunächst mit der Freud'schen Psychoanalyse beschäftigt. Freud kam unzweifelhaft das Verdienst zu, die Unterscheidung von bewussten und unbewussten Handlungsmotiven erkannt und systematisch beschrieben zu haben. Auf dieser Grundlage baute er seine Triebtheorie auf, die gleichsam die Verbindung zwischen seelischer und körperlicher Sphäre herstellt: körperliche Spannungszustände streben nach ihrer Lösung, Triebbedürfnisse nach ihrer Befriedigung. Diese Spannungslösung, so Freud, vermindert das Gefühl der Unlust und erzeugt Lustgefühle. Damit wird das Lustprinzip zur zentralen Größe der Freud'schen Psychoanalyse.

An dieser zentralen Rolle des Lustprinzips setzt Frankls Kritik an der Psychoanalyse an: denn wenn es dem Menschen stets und immer nur darum geht, Lust zu gewinnen bzw. Unlust zu vermeiden, dann sind wir letztlich immer nur Getriebene: unseren körperlichen Spannungszuständen ausgelieferte Individuen, die versuchen müssen, ihre Triebe in rational gesteuerte Bahnen zu lenken.

Frankl öffnete dieses geschlossene energetische Denksystem der Psychanalyse dadurch, dass er die Motivgründe des Menschen um die Sinnfrage ergänzte: nach Frankls Auffassung verfügt der Mensch über einen angeborenen Willen zum Sinn. Diese Erweiterung des Konzepts hat fundamentale Auswirkungen auf die menschliche Motivationsstruktur: der Mensch ist nun nicht mehr getrieben durch seine Lust, sondern er wird im Gegenteil durch seine Sehnsucht nach Sinnerfüllung gezogen: die eigenen Zielsetzungen und auf die Zukunft gerichteten Bestrebungen sind es, die dem Leben eine Richtung und dem Menschen Kraft und Orientierung im täglichen Handeln geben.

Aus dieser Perspektiv-Umkehr ergeben sich auch große Schnittmengen mit philosophischen Konzepten. Schon immer war die (praktische) Philosophie mit der Frage beschäftigt, wonach wir Menschen in unserem Leben streben, was unser höchstes Glück ist und wie wir es erkennen. Diese Überschneidungen machen die Gedanken Frankls so fruchtbar für die philosophische Beratung.